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Kampener Geschichte

21 Häuser, 102 Einwohner, davon nur 22 Männer – 18 fuhren zur See: Kampen im Jahr 1745.
Urkundlich erwähnt wurde Kampen (Kaamp = abgesteckte Feldflur) erstmals im Jahr 1543.

Die ersten Badegäste kamen 1856. 20 Jahre später stellten die Brüder Bleicken am Strand Badekarren auf. 1894 wurde das „Kurhaus-Hotel“ gebaut – Kampens Entwicklung zur touristischen Perle der Nordsee war nicht mehr aufzuhalten. 1908 ließ die Bäderverwaltung auf der Heide einen Musik- und Teepavillon errichten. Ein achteckiger, zweigeschossiger Holzprachtbau und eine Fehlkonstruktion. 1922 wurde der zugige Bau wieder abgerissen.

Schon 1921 besuchte Thomas Mann das Kampener Reetdachhaus von Siegfried Jacobsohn (Herausgeber der Wochenschrift „Die Weltbühne“), und später trug er ins Gästebuch des Hauses Kliffende ein: „Wir reisen leider wieder einmal, wie gut, daß Kliffende bleibt“. 1923 zählte Kampen bereits 1213 Badegäste. „Hier rummelt sich die komischste Gesellschaft, die Sie sich denken können, nur Menschen von Interessen, die zu dieser Landschaft in Beziehung stehen – Musiker, Schriftsteller, überhaupt Künstler.“ So beschrieb der Schriftsteller Hermann von Wedderkop in seinem Roman „Adieu Berlin“ das Kampen dieser Zeit.

1927 löste sich der Ort aus dem Verbund der Norddörfer und wurde eine selbstständige Landgemeinde. Damals boten bereits 40 Häuser 677 Gästebetten an. 1930 wurden 3848 Gäste begrüßt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stießen zu den 370 Kampenern 1927 Heimatvertriebene, die in Notunterkünften und ehemaligen Bunkern untergebracht wurden. Aus einer ehemaligen Flakstellung schuf der Bildhauer Günter Rieck die „Kupferkanne“, aus den Baracken des Lagers „Skagerak“ wurde das Jugendseeheim Kassel. 1956 bekam der Ort sein neues Zentrum – das Kaamp Hüs, das „Haus des Kurgastes“ und Sitz von Gemeinde und Kurverwaltung. Ab 1987 wurde das Kaamp Hüs laufend aufwändig umgebaut und erweitert – zum heutigen Schmuckstück im Zentrum des Ortes.

Kampen in den 50er, 60er und 70er Jahren – diese Jahrzehnte machten Kampen zum berühmtesten Dorf der Republik. Maler, Bildhauer, Verleger, Industrielle, Chefredakteure, Schauspieler, Banker, Sänger, Politiker, Playboys, Regisseure, Intendanten, Schriftsteller – in Kampen sah man sie alle. Sie lockten wiederum viele an, die sich ein bisschen im Schatten der Berühmtheiten sonnen wollten. „Naturverbunden und lebenslustig“ – so wurden die prominenten Kampener Gäste damals beschrieben. Am Nachmittag ging man ins „Gogärtchen“, abends in die „Kupferkannne“ oder in den „Ziegenstall“, ins „Pony“ oder in die „Tenne“. Wo Gunter Sachs (im Bild bei einem der berühmten Fußballturniere dieser Jahre) sich zeigte, zeigten sich gern alle, wo Bertold Beitz tafelte, berichteten die Gazetten, wo Peter Boenisch auftauchte, dieser Platz
war „in".

„Aus Liebe zu Sylt ins dörfliche Kampen“, so warb das Dorf Anfang der 70er Jahre. Und musste Werbung der negativen Art mit Filmen wie „Strandgut“ und „Die „Schönen und die Reichen“ erdulden. Damit der Ort nicht mehr so gezeigt werden konnte, wie er nie war, drohte Bürgermeister Bleicken 1972 sogar mit einem Drehverbot.

In den 80er Jahren wird der Küstenschutz zum vordringlichsten Thema. Mit der ersten Sandvorspülung entstand vor dem „Roten Kliff“ ein riesiges Sanddepot – das Nehmen und Wiederholen des Sandes wird zum alljährlichen teuren Ritual.

1971 erhielt Kampen das Prädikat „Nordseebad“ und 1979 ein neues Wappen: eine stilisierte Stranddistel auf blauem Grund. Heute kommen jedes Jahr rund 35 000 Feriengäste nach Kampen. Und genießen, was in dieser Republik einmalig ist: Natur ohnegleichen, Juwelen und Haute Couture, Kultur und Küche im Sternen-Glanz, Idylle oder High-Life – je nach Belieben.

Es gibt nur ein Dorf auf Weltstadt-Niveau – „Ihr“ Kampen.

 
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