Mild und wild: Herbst in Kampen
Es sind immer noch ein paar Gäste da. Und vielleicht heute das erste Sturmtief. Oder Morgen ein Stück lieblicher Indian Summer. Die Saison geht langsam zu Ende. Jetzt ist alles drin.
Der Herbst ist die Zeit für Ambitionierte. Ausreiten, ohne dass einem Spaziergänger die lange Galoppstrecke verhageln. Nach dem Dinner einfach mit dem Koch fachsimpeln und irgendwann schließt der die Eingangstür ab, damit euch keiner stört. Stundenlang spazierenlaufen, und nur manchmal jemanden treffen. Einkaufen ohne Schlangestehen. Mal letzter sein, abends am Tresen. Es ist schon nicht mehr ganz so voll, aber noch sind alle da, die Gastronome, die Unternehmer, die Geschäftsleute, die Gastgeber. Es ist nicht mehr heiß, aber auch noch nicht wirklich kalt. Wer hart im Nehmen ist, badet noch täglich, was das Immunsystem richtig hochpowert. Das vom Sommer angewärmte Meer (Mensch, ist das immer noch mild hier) legt sich um die Insel wie ein schützendes Cape. Aber manchmal spielt es auch verrückt: Es kann sein, dass plötzlich der erste Herbststurm über Kampen herfällt und das ist ein aufregendes Spektakel: Die Strandkörbe müssen geborgen werden, schnell, schnell, bevor das Wasser hochkommt, der Wind treibt den Sand spektakulär über den Strand und verwirrt flattert ein vergessenes letztes Volleyballnetz wie irrlichternd an einem Pfahl unterhalb des Quermarkenfeuers herum.



