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Künstler: Ferdinand Avenarius

Schriftsteller und Kulturreformer
* 20. Dezember 1856 in Berlin
+ 22. September 1923 in Kampen
"Meine Herren und Damen, ich pfeif auf einen unsterblichen Namen, doch ein stilles Werk unsterblicher Kraft, das leise weiter und weiter schafft, das wär, was ich mir wünschen könnt."

Im Jahre 1903 wurde in Kampen ein in seinem Äußeren recht eigenwilliges Haus – halb Friesenstil, halb Schwarzwaldidyll – errichtet. So kreativ wie der Baustil war auch der Hausherr Ferdinand Avenarius. Durch ihn erst fanden viele Künstler nach Kampen – und nicht wenige von ihnen wie etwa Stefan Zweig und Carl Zuckmayer wohnten oder trafen sich in seinem Haus „Uhlenkamp“. Der Sohn eines Buchhändlers und Stiefneffe des berühmten Komponisten Richard Wagner hatte zunächst in Leipzig ein Studium der Naturwissenschaften begonnen, später dann in Zürich Philosophie, Literatur- und Kunstgeschichte studiert. 1882 ließ sich Ferdinand Avenarius in Dresden nieder, wo er fünf Jahre später Mitbegründer und Herausgeber der Zeitschrift „Kunstwart“ wurde, die einen nachhaltigen Einfluss auf die Bildung ihrer Zeit ausübte.
Ab 1903 verbrachte Avenarius die Sommer vorwiegend in Kampen. Sein Haus „Uhlenkamp“ – vom Arbeitszimmer konnte der Hausherr bis zur Kampener Vogelkoje blicken – wies einige Besonderheiten auf. So verfügte es im ersten Stock über einen umlaufenden Balkon, damit Avenarius bei Sonnenschein den ganzen Tag draußen lesen und schreiben konnte. Zudem war im Reetdach eine von außen nicht sichtbare Wanne zum hüllenlosen Sonnenbaden eingelassen. Als der Schweizer Maler Ernst Kreidolf 1906 Avenarius besuchte, vermerkte er: „Die Wände des Hauses waren mit Zedernholz von Strandgut getäfelt. Auch ein Fass Wein von Strandgut war im Haus. Es muss wohl längere

Zeit im Wasser gelegen haben, denn sein Inhalt hatte schon etwas Meergeschmack angenommen. Während meines Aufenthalts wurde von Kunst und anderen ernsten und schönen Dingen gesprochen, wie es bei Ferdinand Avenarius, diesem feinen, hochkultivierten Mann, selbstverständlich war.“ Die Landschaft lag dem ersten Ehrenbürger der Gemeinde Kampen besonders am Herzen. Gemeinsam mit anderen Mitstreitern konnte er verhindern, dass für den Bau des Hindenburgdamms Erde des Morsumer Kliffs abgetragen und dass die Landschaft um Kampen bebaut wurde. „So etwas Schönes wie Kampen gibt es an der ganzen Nordsee nicht wieder. Noch ist es so. Aber ein einziges Haus außerhalb der Ortschaft in die Heide oder gar in die Dünen gesetzt und die Weite ist zerstört, die Ursprünglichkeit dahin“, mahnte Ferdinand Avenarius. Als er 1923 an den Folgen einer Lungenentzündung verstarb, wusste Avenarius, dass sein Kampf nicht umsonst gewesen war: Wenige Monate vor seinem Tode wurden auf Sylt die ersten Naturschutzgebiete ausgewiesen.

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