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Künstler: Siegfried Jacobsohn

Verleger und Theaterkritiker
* 28. Januar 1881 in Berlin
+ 3. Dezember 1926 in Berlin
"Tatsächlich hat ja Westeuropa zwischen Hammerfest und Gibraltar nicht ihresgleichen. Für die Überfahrt übers Wattenmeer geb ich das ganze Engadin hin und bin meines Handelns froh. Ich bin so berauscht, dass ich keine drei Minuten fest auf dem Stuhl sitzen kann."

"Ich bin wieder da, habe mit Tränen im Auge die Erde geküsst. Mein Herz lebt doch nur hier.“ So schwelgte ein Sommerfrischler 1925 und auch ein Jahr später war seine Liebe zur Insel nicht verblasst: „Mensch, ist das hier schön! Ich weine ununterbrochen vor Glück.“ Der da seinen Gefühlen so freien Lauf ließ, konnte das Sylter Sommerglück indes nur partiell genießen. Denn Siegfried Jacobsohn hat zu tun - fernab von Berlin führt der Verleger der politisch wie künstlerisch geprägten Wochenzeitschrift „Die Weltbühne“ straff die Zügel, und das bekommt vor allem einer zu spüren: In den 1920-er Jahren schickt Jacobsohn von seiner Sommerresidenz fast täglich Briefe mit dienstlichen Anweisungen und privaten Fußnoten an einen seiner fähigsten Mitarbeiter in Berlin: Kurt Tucholsky. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg verbrachte Jacobsohn Sommerurlaube bei einem Bauern in Kampen. 1920 wird das Dorf sein Zweitwohnsitz, als er ein altes Friesenhaus erwirbt. In den folgenden Sommern richtet er hier sein Arbeitszimmer im Freien ein: Ein Brett auf zwei Böcken, zur Windseite geschützt durch ein Segeltuch, ersetzt den Schreibtisch. „Meine Vergnügtheit rührt von dem Hauskauf her. Man weiß doch jetzt, wo man hingehört“, freut sich der Neubürger. „Mein einziger Kummer ist, dass das Haus kein elektrisches Licht und nur in einem Zimmer einen Ofen hat; sonst würde ich wohl auch den Winter hier bleiben.“

1921 kündigt sich bei Jacobsohn prominenter Besuch an: „Heut‘ nachmittag widerfuhr meinem niedrigen Strohdach die Ehre, dass Thomas Mann unter ihm weilte. Er hat die Insel nicht gekannt und ist so erschlagen, dass er am liebsten sofort ein Friesenhaus oder Terrain kaufen möchte.“ Wenn Jacobsohn nicht arbeitet, genießt er das Strandleben. „Jeden Tag, immer für eine Stunde, zuweilen sind‘s auch zwei, bin ich am Meer“, erzählt er Heinrich Tiedemann, dem Besitzer des Logierhauses „Kliff ende“. Und die Tänzerin Valeska Gert, eine gute Bekannte, resümiert: „Jacobsohn zog seinen gelben Bademantel nie aus, badete wie ein Fisch in der Nordsee, lachte oft und herzlich.“ Doch Jacobsohn ist bisweilen auch ein rechter Nörgler. „Die Kampener sind degenerierte Seeräuber. Sie singen ‚Wir sind stolz, dass wir Friesen sind‘. Und wir sind glücklich, wenn wir keinen zu Gesicht kriegen.“ Westerland sei „eine abscheuliche Badestadt“ und überhaupt: „Wenn diese Insulaner nicht viel, viel schlimmer wären als die Berliner, würde ich hier bleiben.“ Zumindest von einem Kummer bleibt er verschont. Nach Jacobsohns Tod notiert der Autor Hermann Kasack in der „Weltbühne“: „Jacobsohn liebte das abgeschiedene Leben in Kampen. Er verabscheute den Dammbau. Bald müsse er wohl noch weiter fliehen, sagte er. Nun, ihm blieb es erspart, die Insel über den Bahndamm zu betreten.

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